Ich bin wütend und das ist gut so – Wut als Warnsystem bei chronischer Erschöpfung und ME/CFS

Veröffentlicht am Kategorisiert als Nervensystem & Fatigue
Dunkle Gewitterwolken über dem Meer auf Usedom. Ein Symbolbild für Wut bei ME/CFS und chronischer Erschöpfung als Warnsystem, das innere Grenzen sichtbar macht.
Gewitter auf Usedom: Wenn innere Grenzen überschritten werden, ist die Wut bei ME/CFS und chronischer Erschöpfung wie ein Gewitter. Ein wichtiges Warnsystem auf dem Weg zur Regeneration. Ein Gewitter reinigt und die Luft wird klarer. Genauso schafft auch die Wut neue Klarheit.

Mitten im Wartezimmer hat mich vor zwei Wochen meine Wut überrollt. Mein Körper war am Limit, das Nervensystem im Alarmmodus und plötzlich war sie wieder da. Diese kraftvolle Wut, die ich seit meinem Zusammenleben mit ME/CFS und chronischer Erschöpfung so gut kenne. Lange hielt ich sie für eine Schwäche, etwas, das man besser wegdrückt.

Doch heute weiß ich, dass diese Wut auf meine chronische Erschöpfung mein wichtigstes Warnsystem ist. Mein innerer Boxenfunk, der mir zeigt, wo ich gegen etwas kämpfe statt zu akzeptieren.

In diesem Artikel erzähle ich dir nicht, wie du deine Wut in drei Schritten loswirst. Er ist kein Hack mit Tipps zum schnellen Funktionieren. Er ist eine Einladung, die Wut als Wegweiser zu echter Regeneration neu zu sehen. Und vielleicht kennst du dieses Gefühl auch, dass deine Wut dir etwas sagen will.

Wie meine Wut im Wartezimmer mit Tränen wiederkam

„Oh nein, nicht schon wieder!“

Ich sitze auf dem Stuhl im Wartezimmer meines Arztes und spüre, wie mein Körper langsam schwerer wird. Nach Monaten, in denen ich durch meine chronische Erschöpfung nahezu hausgebunden lebte, war dieser Arzttermin mein Tor zur Außenwelt. Ich war eben noch glücklich auf diesem Stuhl. Endlich wieder draußen sein. Endlich wieder funktionieren.

Doch mit jeder Minute im Wartezimmer stieg mein Schmerzniveau. Er fühlt sich an, als hätte ich blaue Flecken am ganzen Körper. Ein Schmerz, der von außen unter die Haut kriecht. Er breitet sich mit einer unsichtbaren Kraft durch das Gewebe aus und umschlingt nach und nach jeden Knochen. Die Geräusche um mich herum wurden lauter und mein Rennwagen-Körper beginnt zu frieren (Ich vergleiche meinen Körper gerne mit einem Rennwagen. Dieses Bild findest du immer wieder in meinen Blogartikeln.).

Ich sitze da und verstehe meinen Körper nicht. Ich dachte, dass ich es langsam im Griff habe: „Ich habe doch alles so gut geplant. Ich kenne meine Grenzen. Ich habe Pacing begriffen.“

Und dann passiert es. Wut steigt stark und unerbittlich auf.

Ich war plötzlich wütend auf meinen Körper, auf ME/CFS, auf diese chronische Erschöpfung und auf mich selbst. Doch diesmal blieb es nicht bei der Wut. Tränen folgten und ich dachte: „Oh, mein Gott, jetzt auch noch weinen in der Öffentlichkeit. Wie mega peinlich ist das denn!“ Die Wut war diesmal so stark, dass ich tatsächlich in der Öffentlichkeit weinte. Etwas, das früher verboten war.

Eigentlich weiß ich, dass diese Wut mein Navigator ist. Sie zeigt mir immer wieder Dinge über mich selbst und die chronische Erschöpfung. Und trotzdem überrasche sie mich immer wieder.

Sitzt du auch manchmal da und denkst: „Nicht schon wieder!“ Diese Momente, in denen der Körper einfach nicht mitspielt, obwohl du doch alles richtig gemacht hast?

Warum ich dachte, meine Wut im Griff zu haben

Ich komme aus einem regulierten Leben. Alles wurde getrackt, gemessen, analysiert. Jedes Jahr war wie eine Formel-1-Saison. Ich fuhr mit meinem Körper als Rennwagen jedes Rennen und jede Runde auf Höchstleistung.

„Du musst dich nur gut genug anstrengen, dann schaffst du alles!“ Vatis Worte hallen schon mein Leben lang in meinem Kopf. Wer scheitert, ist selbst schuld. Also strengte ich mich immer wieder an und tat alles, damit mein Körper funktioniert.

Ein Leben lang hatte ich gelernt, dass ein Rennwagen immer laufen muss, egal was passiert. Die Arbeit muss ja irgendwie erledigt werden.

Mein Körper war ein zuverlässiger Rennwagen. Auch bei Krankheit war auf ihn Verlass und es lief immer das gleiche Programm. Kurzer Boxenstopp, dann schnell zurück auf die Rennstrecke. So lief es jahrelang.

Wut? Gefährlich! Warum ich diese starke Emotion unterdrückte …

Und die Wut? Diese dumpfe, grollende Kraft, die sich im Wartezimmer nicht mehr wegdrücken ließ.

Wut als Emotion spielte keine Rolle. Sie wurde in meiner Familie als Zeichen von Schwäche und mangelnder Kontrolle angesehen. Diese Botschaft wiederholte sich ständig und Wut wurde mir regelrecht abtrainiert. Irgendwann verdrängte ich alle Impulse, die mich „ungebändigt“ oder „problematisch“ erscheinen ließen.

Wut war wie ein Störgeräusch im Motor. Etwas, das die Performance beeinträchtigte. Also perfektionierte ich die Kunst, die Wut stummzuschalten.

Bis ME/CFS und die chronische Erschöpfung meinen Rennwagen zum Stillstand brachte und die Stummschaltung löste. Die Wut in mir wurde spürbar und immer lauter. Mein Körper erzählte dann eine andere Geschichte.

Als die chronische Erschöpfung die Wut befreite

Anfang 2024 lag ich wieder völlig erschöpft im Bett. Nach guten Fortschritten auf meiner Genesungsreise mit ME/CFS und der chronischen Erschöpfung kam eine erneute COVID-19-Infektion.

Zurück auf null. Schlimmer noch. Der Brainfog war dichter denn je. Wortfindungsstörungen und kognitive Einschränkungen wurden extremer. Geräuschempfindlichkeit und Temperaturprobleme verstärkten sich. Und ich verstand die Welt nicht mehr.

Keine Werkstatt konnte meinen Rennwagen reparieren.

Ich lag da. Verzweifelt. Hilflos. Orientierungslos.

Doch dann spürte ich sie ganz deutlich: meine Wut.

Ich konnte sie nicht mehr wegdrücken. Nicht mehr durch Leistung kompensieren. Da war sie und ich war allein mit ihr.

Flucht ist keine Option mehr

Lange war Flucht mein Weg. Sobald unangenehme Gefühle aufkamen, besonders Wut, sprang ich in meinen Rennwagen und fuhr davon. Neue Runden drehen. Planen, organisieren, funktionieren. Immer irgendetwas tun, nur nicht fühlen.

Die Wut hatte bei mir nie eine Chance zu sprechen.

Doch diesmal stand der Rennwagen mit Totalschaden still. Keine Kraft zum Wegfahren. Keine Energie für Ablenkung. Aufgrund der chronischen Erschöpfung konnte ich nicht mehr fliehen.

ME/CFS zwang mich anzuhalten und wirklich zuzuhören.

Warum meine Wut viel Energie kostete

Als sich die Wut durch die Krankheit spürbar zeigte, entstand ein innerer Konflikt. Ich hörte das Warnsignal und ignorierte es gleichzeitig. Ein Teil von mir meldete: „Stopp, hier stimmt was nicht!“ Ein anderer Teil sagte: „Reiß dich zusammen. Wut ist gefährlich!“ Das war wie Vollgas und Bremsen gleichzeitig.

Dieser innere Kampf verbrauchte enorm viel Energie. Mehr Energie als die Wut selbst.

Denn Emotionen, die keinen Platz bekommen, suchen sich andere Wege. Sie bleiben im Körper gespeichert, richten sich gegen uns selbst oder sie erschöpft uns, wenn wir sie permanent kleinhalten.

Die Lösung war nicht, das Warnsystem abzustellen. Die Lösung war: endlich zuhören.

Was meine Wut über mich verriet

In den endlosen Stunden im Bett besann ich mich auf Meditation. Nicht, um etwas zu erreichen, sondern um einfach da zu sein. Nicht auf der Rennstrecke. Nur ich, mein Körper und diese Wut.

Was wollte mir diese Wut sagen?

Die Antwort kam leise, aber deutlich. Und sie wiederholte sich:

  • Du willst schon wieder Vollgas fahren, statt zu spüren.
  • Du planst die nächste Runde, statt zu pausieren.
  • Du willst funktionieren, statt zu vertrauen.

Gesunde Menschen managen ihren Körper meist problemlos und ziehen Arbeit, Sport und Verpflichtungen ohne Pause durch. Ich konnte das früher auch. Aber mit der Erkrankung funktioniert das nicht mehr. Mein Körper zwingt mich, eine andere Logik anzunehmen: Pacing.

Das war die Wurzel meiner Wut. Nicht nur die Krankheit selbst. Sondern auch mein innerer Widerstand gegen den Verlust der alten Kontrolle über meinen Körper.

Ich war wütend, weil mein Rennwagen streikte und nicht funktionierte. Ich wollte weiter Macht über meinen Körper ausüben, doch der spielt nicht mehr mit. Und am Schlimmsten war, dass ich keinen Plan hatte, der mich sicher zurück in meine alte Welt führt. Dadurch konnte ich nicht mehr nach außen geräuschlos funktionieren.

Die Wut offenbarte mir mit brutaler Klarheit: Ich drückte immer die falschen Knöpfe.

Sketchnote: Figur unter einer Gewitterwolke mit Denkspirale im Bauch. In der Sprechblase steht: „Danke Wut, jetzt weiß ich, was ich brauche.“ Daneben ein Wegweiser zu „Tina 2.0“. Ein Symbolbild für Wut bei ME/CFS und chronischer Erschöpfung als Warnsystem, wenn innere Grenzen überschritten werden auf dem Weg zur Regeneration. Wie ein reinigendes Gewitter schafft Wut neue Klarheit.
Die Wut zeigt meine alten Muster und Grenzen, Wenn ich ihr zuhöre, wird sie mein Wegweiser auf meinem Weg mit ME/CFS und chronischer Erschöpfung zu Tina 2.0.

Mein Nervensystem bei chronischer Erschöpfung: Vier Knöpfe und ein geheimer Fünfter

In meinem Nervensystem gibt es vier Knöpfen, die bei realer oder vermeintlicher Bedrohung automatisch aktiviert werden:

  • Kampf: Ich halte durch, koste es was es wolle.
  • Flucht: Schnell eine neue Runde fahren.
  • Erstarrung: Mein Rennwagen springt nicht an.
  • Anpassung: Ich fahre die Runden, die andere erwarten.

Und dann ist da noch ein fünfter Knopf. Der blaue Knopf für Regeneration.

Der blaue Knopf für Regeneration ist kaum erreichbar. Bei ME/CFS und chronischer Erschöpfung ist das Nervensystem wie ein Motor im Dauer-Vollgas. Die üblichen Schaltmuster greifen nicht mehr. Der Köper ist permanent auf der Überholspur (Kampf, Flucht, Erstarrung, Anpassung). An echte Regeneration ist nicht zu denken.

Die Wut machte mir klar, dass ich den blauen Knopf mein ganzes Leben ignoriert habe und es auch während der Erkrankung noch tue. Wie bei Glatteis auf der Rennstrecke, drifte ich immer wieder zu Planung, Leistung und Kontrolle ab. Sogar in der Werkstatt bei der Genesung.

Und unter all den Knöpfen lag etwas, dass ich lange nicht gesehen habe.

Sketchnote: Eine Figur schaut nachdenklich auf ein Schaltpult mit vier Knöpfen: Anpassung, Flucht, Erstarrung, Kampf. Daneben liegt ein großer blauer Knopf mit der Aufschrift „Regeneration“ mit Herzsymbol. In der Denkblase steht: „Oje, ich habe den blauen Knopf noch nie benutzt…“. Ein Symbolbild für die Überlebensstrategien des Nervensystems bei ME/CFS und chronischer Erschöpfung.
Das Schaltpult des Nervensystems: Die vier Überlebensstrategien Kampf, Flucht, Erstarrung, Anpassung und der selten genutzte blaue Knopf für Regeneration.

👉 Welchen Knopf drückst du am häufigsten?

👉 Möchtest du mehr über das innere Schaltpult und den blauen Knopf für Regeneration erfahren? In meinem Blogartikel „Was sind Überlebensstrategien des Nervensystems und warum wirken sie bei chronischer Erschöpfung so stark?“ erkläre ich dir die Überlebensstrategien und wie du sie bei chronischer Erschöpfung erkennst.

Was unter der Wut verborgen lag: Trauer, Ohnmacht und ein Ruf nach echten Grenzen

Als ich tiefer hinhörte, entdeckte ich, dass unter der Wut auch Trauer lag:

  • Trauer über die Jahre, in denen ich stur nach Plan meine Runden gefahren bin, ohne Kontakt zu meinem Körper.
  • Trauer über die überhörten Warnsignale.
  • Trauer über die Rennfahrerin, die nie echte Boxenstopps eingelegt hat und gar nicht mehr wusste, was sie wirklich, wirklich will.

Und beim noch genaueren Hinhören merkte ich, dass unter der Wut neben Trauer noch mehr lag. Ohnmacht, Angst, Scham, Unsicherheit, Schuld. Und das Bedürfnis nach echten Grenzen.

Die Wut gab all diesen Stimmen ein Megafon. Zum ersten Mal durfte ich sie hören und ich begann zu verstehen, was genau die Wut mir sagen wollte.

Und, was genau sagte mir die Wut nun ganz konkret?

Langsam lernte ich die Sprache meiner Wut zu verstehen. Nicht, weil ich sie endlich wieder im Griff hatte, sondern, weil ich sie nicht mehr wegdrücke und endlich zuhörte.

Sie sagte mir konkret:

  • Schau hin! Du gehst gerade über deine Grenzen.
  • Stopp! Du vergleichst dich wieder mit der alten Tina, die funktionieren konnte.
  • Vorsicht! Du verlangst etwas von dir, was dein Körper gerade nicht leisten kann.
  • Spür hin! Du brauchst Mitgefühl, nicht noch einen Plan.
  • Achtung! Du willst schon wieder beweisen, dass du es trotzdem schaffst.
  • Erkenne! Du kontrollierst, wo Vertrauen nötig wäre.
  • Bleib hier! Du funktionierst, statt wirklich zu fühlen.
  • Spür hin! Du blockierst gerade deine Gefühle aus Angst, was dann sichtbar wird.
  • Halte inne! Du kämpfst gegen eine Realität, die du noch nicht akzeptieren willst.
  • Vertraue! Du bist nicht mehr im alten System. Du musst nicht mehr kämpfen, um gesehen zu werden.
  • Atme! Du musst heute nichts leisten, dein Körper braucht nur Ruhe.
  • Geh zurück! Die rote Lampe blinkt schon. Du willst sie gerade übersehen.
  • Wähle neu! Du darfst heute langsam sein. Heute ist kein Renntag.

Und ja, manchmal will ich ihre Botschaften immer noch nicht hören. Aber ich weiß, die größten Rückschritte auf meiner Heilungsreise kamen immer dann, wenn ich weghörte und die Signale meines Körpers ignorierte.

Deshalb höre ich hin. Nicht perfekt. Aber immer öfter.

Denn, Wut ist kein Rückschritt. Sie zeigt mir, wie es mir gerade geht und welcher nächste Schritt möglich ist. Sie ist die Sprache meiner inneren Wahrheit.

Und vielleicht war es genau das, was im Wartezimmer passierte. Der Moment, in dem mein Körper sagte:

„Genug. Jetzt hörst du zu!“

Zurück im Wartezimmer: Warum die Wut mich immer wieder rettet

Vor zwei Wochen sitze ich also im Wartezimmer und spüre dieselbe kraftvolle Wut.

Später, mit etwas Abstand, lächle ich. Mit einem Augenzwinkern erkenne ich: „Tja, die Wut zeigt mir immer noch meine Baustellen.“

Sie ist nicht verschwunden nach den ersten Erkenntnissen. Sie kommt immer wieder, wenn ich mich mit der alten Tina vergleiche, wenn innere Antreiber laut werden, wenn mein Körper Nein sagt und ich trotzdem Ja denke.

Die Wut ist nicht weg. Aber ich höre ihr jetzt zu.

Wut bei chronischer Erschöpfung: die gelbe Flagge auf der Rennstrecke

Im Zusammenleben mit ME/CFS und chronischer Erschöpfung ist meine Wut kein einmaliger Durchbruch. Sie wurde zu meiner gelben Flagge auf der Rennstrecke meines Lebens.

Wenn sie auftaucht, heißt das:

Fahre rechts ran! Sei ehrlich zu dir! Prüfe deine Systeme! Tempo drosseln! Boxenstopp einlegen!

Meine Wut ist meine innere Mechanikerin geworden. Sie hört den inneren Boxenfunk meines Körpers, lange bevor ich ihn selbst wahrnehme. Sie sagt mir, wann mein Nervensystem überhitzt, wann der Tank leer ist, wann ich dringend raus aus dem Rennen muss.

Das ist nicht das Ende des Rennens. Kein Scheitern. Kein Versagen. Das ist intelligentes Fahren. Die Voraussetzung für weitere Erfolge bei meiner Heilungsreise.

Mein Weg zur Akzeptanz im Zusammenleben ME/CFS und chronischer Erschöpfung

Das Erlebnis im Wartezimmer hat mir klar gezeigt: Ich bin noch nicht am Ziel.

Theoretisch weiß ich, dass mein Körper mir mit ME/CFS enge Grenzen setzt. In der Praxis ist es aber oft schwer, diese Grenzen anzunehmen, wenn die alte Tina plötzlich wieder am Steuer vom Rennwagen sitzt.

Meine Muster und inneren Antreiber sind stärker und ausdauernder als gedacht. Aber die Wut weist mir den Weg. Nicht als Gegnerin. Sondern als gelbe Flagge für meine inneren Baustellen und die notwendigen Boxenstopps.

Von der Wut zur echten Verbindung

Früher trackte ich jede Runde und kontrollierte jede Kurve. Aber ich spürte meinen Rennwagen nicht. Ich funktionierte. Ich überfuhr die Wut wie eine rote Ampel auf der Rennstrecke, die ich nicht wahrhaben wollte.

Heute bremse ich. Nicht, weil ich es muss, sondern weil ich verstehe, was mein Körper mir sagen will. Ich höre zu. Nicht um sofort zu handeln, sondern um mich Schritt für Schritt selbst besser zu verstehen und zu lernen, was mein Körper wirklich braucht.

Das heißt für mich heute:

  • Ich darf spüren, auch wenn mein Kopf was anderes sagt.
  • Ich darf Pause machen, auch wenn draußen alles weiterläuft.
  • Ich darf mein eigenes Tempo fahren, auch wenn alle um mich herum rasen.

Ich bin meine eigene App geworden. Kein Tracking mehr von außen. Keine Tools, die mir sagen, was zur Regulation meines Nervensystems richtig ist. Mein Körper gibt mir durch seine Signale die Richtung vor.

Die Wut will mich nicht zerstören. Sie will mich schützen. Die Wut ist der Türöffner für dieses neue Teamwork mit mir selbst und meinem Körper. Sie hat mir gezeigt: Emotionen sind kein Fehler im System. Sie sind der Zugang.

Zur Verbindung. Zur Klarheit. Zu mir.

Das war kein einfacher Schritt, aber ein entscheidender auf meiner Heilungsreise. Nicht weil ich es inzwischen „kann“. Sondern weil ich nicht mehr fliehe.

Der Weg zu Tina 2.0 führt nicht über Kontrolle, sondern über Verbindung zu mir, meinem Körper und meinem inneren Warnsystem.

Das Taschentuch, ein Danke und warum meine Wut mich weiter begleiten darf

Am Ende sitze ich also mit Tränen und einem Taschentuch in der Hand da. Mein Arzt reicht es mir wortlos.

Danke, Doc, nochmal dafür. Und auch für deine Begleitung auf meinem Weg mit der chronischen Erschöpfung zu Tina 2.0. Ohne dich wäre ich heute nicht da, wo ich momentan stehe. DANKE!

Und die Wut? Die war natürlich noch da. Und ich wusste: Nicht ME/CFS ist das Problem, sondern mein Widerstand gegen die Krankheit und die Realität. Ich wollte meinen Körper im Wartezimmer beherrschen, habe nicht zu mir gestanden, nichts gesagt, als die Schmerzen kamen. Ich habe nicht abgebrochen und keinen Plan B gesucht.

Meine Wut bleibt somit im Leben mit ME/CFS und chronischer Erschöpfung mein treuer Co-Pilot:

  • Sie ist ein Warnsystem und wiederkehrender Wegweiser, der mich begleitet.
  • Sie zeigt sich genau dort, wo Akzeptanz und Selbstmitgefühl noch wachsen dürfen.
  • Sie führt mich auf meiner Reise zu Tina 2.0 und dem heiß ersehnten blauen Knopf für echte Regeneration. Mit Mitgefühl und vielen kleinen Kurskorrekturen.

Und ja, das war mein erstes Taschentuch von einem Arzt. Aber garantiert nicht die letzte Begegnung mit meiner Wut. Vielleicht wird die Wut auch nie ganz verschwinden. Aber überall dort, wo sie sich zeigt, liegt ein neuer Hinweis für mein Leben zusammen mit der chronischen Erschöpfung auf meinem Weg zu Tina 2.0.

Deshalb: Ich bin wütend und das ist gut so!

Tina 2.0 Sein – mit allen Warnsignalen Schritt für Schritt. Jetzt. Hier. Ich.

👉 Und du?

Kennst du diese Wut auch? Diese Mischung aus Trotz, Schmerz und „Ich will nicht mehr funktionieren müssen“? Was ist deine gelbe Flagge und dein Frühwarnzeichen? Schreibe es gern in die Kommentare. Ich lese es gerne mit und vielleicht hilft dein Hinweis auch jemand anderem.

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